Ergebnisse der Mainzer Stadtwerke differenziert bewerten – nachhaltige Ertragskraft bleibt offen
Im Zuge der Diskussion über die Vertragsverlängerung des Vorstandsvorsitzenden der Mainzer Stadtwerke (MSW), Daniel Gahr, fordert Gerhard Wenderoth eine sachliche und transparente Bewertung der wirtschaftlichen Lage des Konzerns.
„Das häufig wiederholte Narrativ einer außergewöhnlich positiven Entwicklung der Stadtwerke hält einer genauen Analyse der letzten drei Geschäftsjahre nur teilweise stand“, erklärt Wenderoth. „Die ausgewiesenen Überschüsse basieren zu großen Teilen auf externen Sondereffekten – nicht auf einer dauerhaft gestärkten operativen Ertragskraft.“
350 Millionen Euro externe Sondererträge – keine rein operative Leistungssteigerung
Zwischen 2022 und 2024 erzielten die MSW erhebliche Einmaleffekte:
- 180 Mio. € BioNTech-bedingte Sonderzuweisungen der Stadt Mainz in den Jahren 2022 und 2023 – vor allem zur Stabilisierung des defizitären ÖPNV.
- 160 Mio. € außergewöhnliche Gewinne aus der 50%‑Beteiligung an der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) während der Energiepreiskrise.
- 10 Mio. € Ausschüttung aus der Beteiligung ZHM / Zollhafen Mainz im Jahr 2024 (Vorjahr: 2,5 Mio. €).
In Summe flossen den Stadtwerken somit rund 350 Millionen Euro externe Sondererträge zu.
Dem gegenüber stehen operativ erwirtschaftete Jahresüberschüsse von lediglich rund 80 Millionen Euro im gleichen Zeitraum
(2022: 24,5 Mio. € | 2023: 38,6 Mio. € | 2024: 17,2 Mio. €).
Besonders kritisch: Der Jahresüberschuss 2024 liegt 56 % unter 2023 und 30 % unter 2022.
Wenderoth: Keine Belege für nachhaltige Ertragskraft
„Diese Zahlen machen deutlich: Die positive Ergebnislage der letzten Jahre ist vor allem das Resultat außergewöhnlicher externer Faktoren“, betont Wenderoth. „Ohne BioNTech‑Zuweisungen, Sondergewinne der KMW und Entnahmen aus dem Zollhafen wäre das wirtschaftliche Bild der Stadtwerke deutlich schwächer.“

Angesichts dieser Ausgangslage reiche es nicht aus, die Überschüsse der letzten Jahre pauschal als Beweis für anhaltenden wirtschaftlichen Erfolg zu präsentieren.
„Gerade mit Blick auf die Entscheidung zur Vertragsverlängerung des Vorstandsvorsitzenden braucht es eine nüchterne, transparente und faktenbasierte Bewertung“, so Wenderoth abschließend.

