Mainz, 09.04.2026: Der vor Ostern im Stadtrat verabschiedete Wirtschaftsplan 2026–2030 der Mainzer Stadtwerke AG vermittelt auf den ersten Blick Stabilität. Bei genauer Analyse zeigen sich jedoch existenzielle strukturelle Risiken und ein Kerngeschäft das dauerhaft Verluste fährt. Die Freie Wähler Gemeinschaft sieht die wirtschaftliche Entwicklung der Stadtwerke mit großer Sorge und fordern eine klare Kurskorrektur.
Nur einen Monat nachdem der Aufsichtsrat den Vertrag mit dem Vorstandsvorsitzendem Herrn Gahr verlängert hat, wird der Öffentlichkeit bekannt, dass der Operative Gewinn um 7,2 Millionen Euro von 4,3 Millionen Euro im Jahr 2025, auf 3 Millionen Euro Verlust im Jahr 2026 sinkt. Das Konzernergebnis sinkt noch stärker, um 10,6 Mio. €, 15 Mio.€ auf 6,45 Mio. € und das bei einem Umsatzerlös von nur 65 Millionen Euro. Noch schlimmer ist die mittelfristige Planung, in der bis 2030 nur noch Verluste aus dem Kerngeschäft mit Gas, Wasser, Strom anfallen.
„Wenn das operative Kerngeschäft dauerhaft Verluste schreibt, ist das kein Randthema, sondern ein strukturelles Problem“, erklärt Gerhard Wenderoth (Wirtschaftspolitischer Sprecher). „Die Stadtwerke dürfen nicht davon leben, dass Beteiligungen und Sondereffekte das eigentliche Defizit kaschieren.“

Die Ursachen sind klar benannt: Sondererträge aus Grundstücks‑ und Baufeldverkäufen gehen deutlich zurück. Mit der Vermarktung des letzten Baufeldes im Zollhafen endet absehbar eine der wichtigsten Ertragsquellen der vergangenen Jahre. Diese Sondereinnahmen haben die negativen operativen Ergebnisse der Stadtwerke die letzten Jahre kaschiert – sie stehen künftig nicht mehr zur Verfügung.
Besonders kritisch sehen die Freien Wähler die Entwicklung der Verschuldung: Die verzinslichen Verbindlichkeiten steigen laut Wirtschaftsplan von rund 332 Millionen Euro im Jahr 2026 auf etwa 560 Millionen Euro im Jahr 2030. Gleichzeitig sinkt die Eigenkapitalquote von über 40 Prozent auf rund 37 Prozent.
Der operative Cashflow bleibt durchgehend negativ.
Investitionen, laufende Defizite und sogar Ausschüttungen werden mit neuen Schulden finanziert. So steigt die Zinslast im Jahr 2030 auf über 22 Millionen Euro bei einem Umsatz von nur 65 Millionen Euro. Das bedeutet, dass ein dritte des Umsatzes für Zinsen zu zahlen sind. „Das ist wirtschaftlicher und unternehmerischer Selbstmord und schränkt jede Handlungsfähigkeit ein“ so Wenderoth weiter.
Hinzu kommt der starke Anstieg der Schulden der Töchterunternehmen (Forderungen) die von 174 Millionen Euro im Jahr 2026 auf 302 Millionen Euro ansteigen. Die Mainzer Stadtwerke fungieren immer stärker als finanzielle Drehscheibe im Konzern, binden Liquidität und müssen im Gegenzug neue Kredite aufnehmen ohne das im Kerngeschäft Geld verdient wird, oder sich Umsätze und Erträge erhöhen.
„Die Stadtwerke entwickeln sich faktisch zur Finanzholding mit eine Schwarzen Loch, in der die Schulden steigen ohne das die Erträge steigen“, warnt Wenderoth. „Das widerspricht dem Auftrag der Mainzer Stadtwerke.
Klares Bekenntnis der Freien Wähler Gemeinschaft
Die Freien Wähler Mainz stellen klar: Die Mainzer Stadtwerke müssen ausschließlich der Daseinsvorsorge dienen und dürfen nicht zur dauerhaften Quersubventionierung oder zu versteckten Finanzierungen von beteiligten Unternehmen missbraucht werden. Die Stadtwerke sind eine AG in der der Aufsichtsrat in der Verantwortung steht, die strategische Ausrichtung vorzugeben. Bei einem dauerhaften Operativen Verlust und einem dauerhaften negativem Cashflow müssen an der Spitze des Aufsichtsrates alle Alarmglocken angehen.
„Wirtschaftlich betrachtet handelt es sich um „verdeckte Konzernfinanzierung““, so Wenderoth abschließend.
Die Freien Wähler Gemeinschaft fordern:
- Neuausrichtung der Stadtwerke auf ihre Kernaufgabe Energie, Strom, Gas, Wasser.
- ein Ende kreditfinanzierter Ausschüttungen
- keine versteckte Finanzierung der Konzerntöchter über Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen
- Investitionen in Infrastruktur müssen aus dem operativen Egrensis finanzierbar sein.
- Investitionen müssen eine Stärkung der operativen Ertragskraft zur Folge haben.
- eine ehrliche Neuordnung der ÖPNV‑Finanzierung,
